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Satellitenfusion: Streit um Bromo testet Europas Streben nach Unabhängigkeit im All

Die Vereinbarung zwischen Airbus, Leonardo und Thales zielt darauf ab, die europäische Raumfahrtindustrie zu stärken – könnte jedoch dazu führen, dass der EU weniger Zulieferer für ihr eigenes sicheres Kommunikationsnetz zur Verfügung stehen.

Beginning of the trial against Lisa R. at Higher Regional Court in Koblenz
1 days ago
By John

Die Vereinbarung zwischen Airbus, Leonardo und Thales zielt darauf ab, die europäische Raumfahrtindustrie zu stärken – könnte jedoch dazu führen, dass der EU weniger Zulieferer für ihr eigenes sicheres Kommunikationsnetz zur Verfügung stehen.

KI generierte Text-to-Speech

This article is also available in: English

BRÜSSEL — Die geplante Fusion der Satellitensparten von Airbus, Leonardo und Thales stellt die EU vor ein Dilemma: Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen preist das Projekt „Bromo“ als möglichen europäischen Champion. Kleiner Anbieter - auch deutsche - sehen die Fusion mit Sorge. Und weniger Wettbewerb könnte zu höheren Kosten für die EU führen, die ein eigenes sicheres Satelliten-Kommunikationsnetz ausbaut.

Airbus, Leonardo (Italien) und Thales (Frankreich) haben bereits vereinbart, ihr Geschäft mit Satelliten- und Raumfahrtsystemen zu einem Unternehmen mit einem Jahresumsatz von 6,5 Milliarden Euro und 25.000 Mitarbeitern in Europa zusammenzuschließen.

Die größten Satellitenanbieter in der EU argumentieren, der Zusammenschluss könne die Unabhängigkeit der Union im Weltraum stärken. Die Dreierallianz „Bromo“ würde nicht direkt mit Elon Musks Starlink konkurrieren, wohl aber Europas Position auf dem schnell wachsenden Markt für Satelliten in der erdnahen Umlaufbahn stärken.

Die Fusion ergänzt umfassendere Bemühungen der EU um mehr Autonomie im All. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die sichere Kommunikation für Institutionen wie Regierungen oder Rettungsdienste. Die Bedeutung wurde letzte Woche deutlich, als die Ukraine erklärte, der militärtaugliche Dienst von Starlink, „Starshield“, sei auf Initiative von Musk gedrosselt worden, wodurch ukrainische Drohnenbetreiber daran gehindert würden, russische Luftangriffe abzufangen.

Von der Leyen hat sich eindeutig für das Bromo-Abkommen ausgesprochen. „Genau solche industriellen Vorzeigeunternehmen brauchen wir, wenn Europa in der Weltraumwirtschaft von morgen eine Führungsrolle einnehmen soll“, sagte sie im September bei einer Weltraum-Konferenz in Paris.

Doch die EU-Kartellbehörde, selbst Teil der Kommission, die der Fusion zustimmen muss, hat Zweifel.

Die drei Unternehmen sprechen seit fast zwei Jahren informell mit der Wettbewerbsabteilung der Kommission über ihre Pläne. Sie machen geltend, die Transaktion füge Kunden keinen Schaden zu. Sie werde weder zu höheren Preisen führen noch das Angebot einschränken.

Im Verfahren der Kommission möchten Unternehmen in der Regel bereits vor Beginn der Prüffrist eine gemeinsame Basis mit den Beamten finden. Die Prüfung kann zwischen 25 Tagen und mehreren Monaten dauern und dazu führen, dass Transaktionen mit oder ohne Auflagen genehmigt oder untersagt werden.

Diese formelle Prüfung hat noch nicht begonnen. Die Satellitenhersteller erörtern derzeit den Verkauf von Werken in Europa, um den Bedenken der EU-Behörde Rechnung zu tragen. Eine Einigung ist aber noch nicht in Sicht, wie zwei mit der Angelegenheit vertraute Personen gegenüber POLITICO angaben. Ihnen wurde Anonymität gewährt, um über den vertraulichen Prozess sprechen zu können.

„Wir sind noch weiter davon entfernt, als wir dachten“, sagte einer der Beteiligten. Eine formelle Überprüfung beginne möglicherweise erst Anfang 2027.

Durch Bromo würde sich die Zahl der großen europäischen Satellitenanbieter auf zwei verringern, was bei den Kartellbehörden Bedenken wegen einer Marktkonzentration weckt.

Sie betreffen insbesondere den Aufbau von IRIS², ein von der Kommission betreutes sicheres Kommunikationsnetz mit geplanten Kosten von 15,6 Milliarden Euro. Es soll aus 348 Satelliten in niedriger und mittlerer Erdumlaufbahn bestehen. Starts sind ab 2029 geplant.

Durch die geplante Fusion würden Unternehmen zusammengeführt, denen in diesem Projekt bereits wichtige Aufgaben übertragen wurden: Airbus baut Satellitenplattformen, während Thales Alenia Space – ein Gemeinschaftsunternehmen von Thales und Leonardo – Kommunikationsnutzlasten liefert.

Diese Überschneidung zeigt das Dilemma für Brüssel. Der Zusammenschluss könnte die industrielle Basis stärken, die dem Vorzeigeprojekt der EU im Weltraum dienen könnte, würfe aber auch Fragen zur Verhandlungsmacht und der Auswahl von Lieferanten auf.

Die Verteidigungsabteilung der Kommission ist an den Gesprächen beteiligt und hat Bedenken geäußert, wie es jeder Großkunde bei einer Fusion tun würde, so die Informanten. Die Verantwortlichen für die Verteidigung sind hin- und hergerissen zwischen dem Wunsch nach einem größeren europäischen Akteur und der Tatsache, dass dies zu weniger Lieferanten und höheren Preisen führen könnte.

Auf den ersten Blick verfolgt die Verteidigungsdirektion einen kooperativen Ansatz. „Die Generaldirektion DEFIS ist nicht gegen Bromo. Ihr erklärtes industriepolitisches Ziel ist die Entstehung europäischer Marktführer. Die Bewertung der Transaktion obliegt anderen Dienststellen der Kommission“, erklärte ein EU-Beamter gegenüber POLITICO.

Die EU-Kommission selbst lehnte es ab, sich zu dem Verfahren zu äußern.

Die Europäische Weltraumorganisation, ein weiterer Kunde, erklärt, sie stehe dem Deal offen gegenüber. Die Auswirkungen seien „natürlich bedeutend“, sagte Generaldirektor Josef Aschbacher kürzlich vor Journalisten in Brüssel, als er Pläne zur „Schaffung eines sehr starken, wettbewerbsfähigen europäischen Industrieökosystems“ erläuterte.

Kritischer ist der deutsche Airbus-Konkurrent OHB in Bremen. Der Zusammenschluss würde Monopole schaffen und könnte kleineren Akteuren schaden. Das Unternehmen droht mit rechtlichen Schritten, sollte die Kommission den Deal ohne Auflagen genehmigen.

OHB bezweifelt zudem, dass die Fusion Bromo in die Lage versetzen würde, es mit Konkurrenten in den USA und China aufzunehmen. SpaceX, der Betreiber von Starlink, hat für das dritte Quartal einen Umsatz von 14,6 Milliarden US-Dollar ausgewiesen und verfügt nach dem jüngsten Börsengang über eine Marktkapitalisierung von 2 Billionen US-Dollar.

Von der Leyens Begeisterung wird von den französischen und italienischen Regierungschefs Emmanuel Macron und Giorgia Meloni geteilt, die eine engere industrielle Zusammenarbeit befürworten.

Bei Wettbewerbspolitikern der EU sorgt das Vorpreschen von der Leyen dagegen für Unmut. Es schwäche faktisch die Wettbewerbsvorschriften, die von ihrer Stellvertreterin Teresa Ribera überwacht werden.

Ribera erklärte zu den Äußerungen von der Leyen, Bromo werde keine Vorzugsbehandlung erhalten. Sie verwies auch darauf, dass Gewerkschaften und Zulieferer vor Auswirkungen auf Arbeitsplätze und Wettbewerb warnten.

Airbus, das 2023 und 2024 erhebliche Belastungen aus dem Raumfahrtgeschäft verzeichnete, kündigte im vergangenen Jahr an, über 2.000 Stellen im Geschäftsbereich Verteidigung und Raumfahrt abzubauen. 2025 verbesserte sich die Geschäftslage des Unternehmens: Der Umsatz stieg um 11 Prozent auf 13,4 Mrd. Euro, und das Ergebnis kehrte in den positiven Bereich zurück.

„Wir äußern uns nicht zu laufenden behördlichen Verfahren oder Marktspekulationen. Das Bromo-Projekt verläuft wie geplant“, erklärte ein Airbus-Sprecher.

Regionalpolitiker in Südfrankreich, wo Airbus seinen Hauptsitz hat, haben die Fusion befürwortet. Schätzungsweise 15.000 Arbeitsplätze in der Raumfahrtbranche befinden sich in Toulouse.

Ein Vertreter eines kleineren Akteurs der Branche vermutete, dass der Deal darauf ziele, die Aufträge von Airbus zu stabilisieren und Arbeitsplätze in Frankreich zu sichern. „Hier geht es eigentlich darum, Toulouse zu retten“, sagte er.

Dieser Artikel erschien zuerst auf Englisch bei POLITICO.

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